Look At Yourself

Eine musikalische Mysterienschule

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La Brune au miroir

Osibisa, eine der besten Rockgruppen der Welt, traf 2004 in London auf Meister der Hardrocksekstase – Uriah Heep. Daraus wurde eine der schönsten Versionen von „Look At Yourself“, einem Song, der eine wunderbare spirituelle Tiefe hat, weil Das-In-Sich-Hineinschauen, das Spiel des „Erkenne-Dich-Selbst“ das wichtigste Spiel auf Erden ist. Wunderbar tanzbar, vorher, nachher oder auch nur so. Zum Tanzen, zum Lieben und zum Meditieren. Look at yourself. Let your body flow. Alone, together. Oder frei nach Grobschnitt: „Lets ride, bis the Camels break together.“

Und was sagt David Byron, der Mann, dessen Stimme der Musik von Uriah Heep seinen einzigartigen Charakter gegeben hat? „All you need ist love.“ Das ist nicht nur Beatles, nicht nur John Lennon und Paul McCartney. Das ist universelle Wahrheit. Der Mensch gelangt nur dahin, wenn er bereit ist, „es“ zu tun. Das Look At Yourself.

Zusammen mit einem geliebten Menschen macht es noch mehr Spaß. Deswegen haben die indischen Götter und Göttinnen Tantra erfunden. Es ist so leicht, die Lebensgesetze der Lust zu verstehen. Uriah Heep und Osibisa wissen, dass unsere Kundalini erweckt werden muss, damit wir dem Großen Geheimnis entgegengehen können – obwohl Tanzen der bessere Ausdruck für dieses Gehen ist.

„Dance your way to God“, auch das ist universelle Weisheit. Jetzt bekommen die Lieder von Uriah Heep einen tiefen Sinn, die Titel sind Wegweiser zum irdischen und spirituellen Leben: „Easy Livin’, Bird Of Prey, Free Me, Gypsy oder Sunrise“, um nur einige Stücke aufzuführen, die zeigen, dass es letzten Endes nicht auf die Worte, auf Subjekt und Objekt, sondern auf den Tanz und auf die Ekstase ankommt. Eins sein – mit allem, was ist. Kein Tänzer, kein Musiker, kein Zuschauer. Alles fließt.

Was fehlt, das ist der Freund – oder die Freundin – der oder die erzählt, wie die Brücke zum Großen Geheimnis gebaut wird. Nach dem Tanzen – sich einfach fallen lassen, da, wo der Tanzende sich befindet, am besten auf einer Wiese, um nahe bei Mutter Erde zu sein. Innehalten, atmen, die Stille der Gedanken genießen. Denn da, wo kein Gedanke mehr ist, da fängt Gott an, da kann Gott uns entgegenkommen. Wir brauchen bloß der Stille zu lauschen. Am Anfang mehr in aktiver Hinsicht, bis wir in jeder Passivität aktiv zuhören können. Je wilder der Tanz, desto leichter kann uns das Göttliche erreichen.

Alleine das Plattencover von „Look At Yourself“ in seiner Ursprungsversion, eine Spiegelfolie, war Programm, Kunst und Methode, die eine Unterstreichung des Titels wurde. Das „Look At Yourself“ wurde zum unbewussten Mantra, das getanzt, gefühlt und gedacht wurde. Einen Sinn machte es damals für einen Jugendlichen in der Regel nicht, aber es öffnete das Tor zum Unbewussten. Und als Koan, jedenfalls konnte es für den erfahrenen Menschen so interpretiert werden, zum Trojanischen Pferd, das der Seele einen Teil des Lebenswegs verrät.

Sich nicht über den anderen aufzuregen, um ihn zu verurteilen, sondern die eigenen Gefühle, Verhaltensmuster und Konditionierungen wahrnehmen, erkennen, um menschlich und spirituell zu werden – das ist Look At Yourself. Der andere Mensch, sein Verhalten, meine Reaktion – das ist das Biotop des menschlichen Wachstums, indem der eine dem anderen Aspekte menschlichen Seins spiegelt. Damit umgehen zu können, das ist der erste Schritt auf dem Laufsteg, der nicht von Blitzlichtgewittern der Spitzenphotographen bejubelt wird, sondern ein gefährlicher Weg, der dem Suchenden Tiefen und Untiefen menschlichen Seins, seine eigenen Schattenseiten, erzählen wird. Genauso, wie der Spiegel Geschichten über Lust und Wollust erzählen kann, über Glückseligkeit, Lebensfreude und Ekstase.

Auf diesem Weg wird der Suchende lebendig; jede Tiefe wird zur Odyssee, und die nächste Tiefe wird tiefer als die vorhergehende; ebenso, wie die Höhen höher werden, die Gipfel der Lust, die Erfahrung des Manischen, befreit von seiner psychischen Dimension, die mit der Depression verknüpft war, weil der Adler fliegen kann. Die kommenden Höhen werden noch höher sein, die kommenden Tiefen noch tiefer. Das ist lebendiges Bunjeejumping, ein Weg, der zum Großen Geheimnis führen kann. Kann, weil sich Erleuchtung nicht erzwingen lässt. Forget all about enlightenment,  ist eine tiefe Erkenntnis eines Mystikers, aber das Loslassen von Erleuchtung als Ziel war mir schon vorher vertraut.

Das Schöne an diesem Stück von den beiden Supergroups ist die Authentizität der Musiker, die Virtuosität auf allen Instrumenten – und ihr Zusammenspiel, das dem Jazz verwandt ist. Zusammenspiel ist Kommunikation; und Kommunikation ist nur möglich, wenn ich in Kontakt bin, mit mir, dem Instrument, dem anderen und dem Großen Geheimnis. Diese Musik ist Mysterienschule, diese Musik ist Devine.

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URIAH HEEP | LOOK AT YOUSELF

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La Brune au miroir

Henri Caro-Delvaille

1876 – 1926

Common Sense – Wikipedia

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